Tuesday, August 4, 2015

Offener Brief der Þjórsá-Anwohner zum Kraftwerksthema

Im März diesen Jahres haben die Anwohner der Þjórsá einen offenen Brief zum Kraftwerksthema in der Landwirtschaftszeitschrift Bændablaðið veröffentlicht.
Nachfolgend die Übersetzung des Briefes:

Mehr als 1000 Jahre sind vergangen, seit die Landnehmer ihren Fuss an das verheissungsvolle Ufer der Þjórsá gesetzt haben. Doch nun ist die Flussregion bedroht. Ein Teil des isländischen Volkes glaubt, dass die Kraft der Þjórsá die Lebensqualität der Einwohner verbessert, wenn man sie zähmt und zur Stromherstellung nutzt. Es geht dabei um drei Wasserkraftwerke an der unteren Þjórsá, das Urriðafossvirkjun in Mündungsnähe, dahinter das Holtavirkjun und weiter oben das Hvammsvirkjun.
Wir unterzeichnenden Landwirte an den Ufern der Þjórsá möchten auf folgende Tatsache hinweisen: im projektierten Gebiet der Þjórsá befinden sich ausgesprochen mächtige Vulkane, Hekla, Tungnafellsjökull und Bárðarbunga. Im Fall einer Naturkatastrophe im Bereich der Þjórsá und der Tungnaá sind folgende Kraftwerke gefährdet:
Búrfellsvirkjun 270 MW
Sultartangavirkjun 120 MW
Hrauneyjafossvirkjun 210 MW
Sigölduvirkjun 150 MW
Búðarhálsvirkjun 95 MW
Vatnsfellsvirkjun 90 MW mit Kvíslaveitum

Das sind 935 MW von den insgesamt 1893 MW, die die Wasserkraftwerke des Energieversorgers Landsvirkjun in Island produzieren. Mit einer Kraftwerksnutzung des unteren Teils der Þjórsá wächst die Gesamtproduktionsmenge der Wasserkraftwerke auf 2183 MW. Davon stammen 1225 MW oder 57% der Energiemenge, die Landsvirkjun aus Wasserkraft gewinnt, aus dem Einzugsgebiet der Þjórsá.
Landsvirkjun zieht etwa 97 Prozent seiner landesweiten Energieausbeute aus der Wasserkraft.

Wenn die Projekte realisiert werden, entstehen im Flusslauf der Þjórsá drei Talsperren. Sie zerschneiden blühende Landschaften an beiden Ufern, wo derzeit ertragreiche Landwirtschaft betrieben wird. Bei den Talsperren handelt es sich um riesige Reservoire, die dort, wo sie sich an den Ufern ausbreiten, viel Mutterboden und Land schlucken. Wiesen und Weiden werden unter Wällen und im Wasser verschwinden. Es ist beispielsweise geplant, dass für die unterste Talsperre
1,5 Millionen Kubikmeter Erdreich beseitigt werden, um den Urriðafoss zu stauen. Dieses Material wird auf die an den Fluss angrenzenden Ortschaften verteilt. Während der Betriebszeit der Kraftwerke muss mit gewisser Regelmässigkeit der angeschwemmte Bodensatz, wie etwa Gletscherschlamm, aus den Talsperren oberhalb der Staumauer ausgebaggert werden, denn das Material, welches der Fluss aus dem Hochland mitbringt, sinkt in der Talsperre zu Boden. Bei der Menge dieses flüchtigen Materials, welches anschliessend auf den angrenzenden Ländereien verteilt wird, handelt es sich um Millionen von Kubikmetern. Die Talsperren entstehen alle in einem Erdbebengebiet, wo das Land weitläufig von Rissen zerteilt ist, die aus alten Erdbeben stammen.

Durch den Bau der Kraftwerke an der unteren Þjórsá wird sich die Durchflussmenge des Flusses auf langen Strecken unterhalb der Staudämme von derzeit 340-360 Kubikmeter pro Sekunde auf 10 Kubikmeter pro Sekunde verringern. In dem viele Dutzend Meter breiten Flussbett, welches 2000 Kubikmter pro Sekunde fasst, wird dann kaum noch Wasser fliessen. Der Urriðafoss gehört zu einem der Gebiete, wo das Wasser verschwinden wird. Er ist Islands wasserstärkster Wasserfall und bedeutend für die Natur des Bezirks. Man kann ihn leicht erreichen, denn er liegt an der Brücke über die Þjórsá, weniger als einen Kilometer von der Ringstrasse 1 entfernt.

Durch eine Stauung der unteren Þjórsá sind fast alle Fischarten im Flussgebiet bedroht. Seit der letzten Umweltverträglichkeitsstudie aus den Jahren 2001 und 2002 hat sich die Lachswanderung verstärkt, Laichplätze und Kinderstuben haben sich vervielfacht. Der Fischertrag an der Þjórsá konnte nach und nach gesteigert werden. Im Jahr 2010 wurden mehr als 9000 Lachse dort gefangen, was etwa 17 Prozent des gesamten Wildlachsfangs in Island ausmacht.

Man hört nun von Gegenmassnahmen, um das Ökosystem zu retten, doch ist nicht klar, wie diese wirken. Wenn die Talsperre sich rasch füllt, was in jedem Jahr oft passiert, wächst der Durchfluss auf bis zu 1000 Prozent und kann genauso schnell wieder abfallen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Fischlaich und Brut dürfte unter diesen Umständen nicht besonders hoch sein. Sie werden bei Flut aufs Trockene gespült und verbleiben dort, wenn der Wasserspiegel wieder sinkt. Es scheint nun aber, als ob die vagen Gegenmassnahmen des Bauherrn sämtliche möglichen Probleme aus der Welt schaffen sollen. Gleichwohl konnte bislang nicht gezeigt werden, dass die angebotenen Massnahmen auch Erfolg zeigen. Vielmehr muss erst bewiesen werden, dass die angekündigten Lösungen auch zuverlässig sind. Die geringste Abweichung kann weitreichende Konzequenzen haben und der Fischpopulation des Flusses langfristig Schaden zufügen.
Landsvirkjuns Management hat sozusagen zugegeben, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, das Ökosystem der Þjórsá in einem Zustand zu erhalten, dass Fische dort gedeihen können. Dies hat das Unternehmen getan, indem es sich bereit erklärt, die Angelrechte am Fluss aufzukaufen.

Im Jahr 1991 war wegen der negativen Auswirkung der Landsvirkjunprojekte am Búrfell und Hrauneyjarfoss auf die Þjórsá ein Fischkanal am Wasserfall Búða konstruiert worden. Oberhalb des Búða befinden sich gute Laichgründe und genügend Nahrung für die Brut. Der Lachs laicht nun in einem neuen Gebiet oberhalb des Búða, und in den beiden letzten Jahrzehnten hat die Lachswanderung zugenommen, sowohl in der Þjórsá als auch in ihren Zuflüssen, wie den Minnivallarlæk, der Þverá, Sandá/Hvammsá und der Fossá. Die geplante Talsperre des Hvammsvirkjun wird etwa 68 Prozent dieser Fischgründe oberhalb des Búða stören, wird mögliche Wanderwege der zum Meer strebenden Lachse zerschneiden, sowie bisher unbekannte Auswirkungen auf die ansässigen Populationen der Forelle und des Saiblings haben.

Im vergangenen Jahrzehnt schickte das Parlament Alþingi den gesetzlich fixierten Energierahmenplans auf den Weg, der eine Menge Geld gekostet hat. In diesem ganzen Prozess war stets Grundvoraussetzung und Ausgangspunkt der Projektarbeit gewesen, dass die Kraftwerke auf keine Weise die Lebensbedingungen der Wanderfische im Fluss einschränken dürften. Die Kraftwerksideen an der unteren Þjórsá wurden daher stets mit der Einschränkung vorangetrieben, dass die Fischpopulation nicht in Gefahr gebracht werden dürfe.
Allgemein bekannt ist, dass alle unabhängigen Fischexperten einhellig der Meinung sind, dass die negativen Auswirkungen von Kraftwerken an der unteren Þjórsá auf die Meeresforelle und den Lachs durch keine Gegenmassnahme verhindert werden kann. Daher muss von Politikern und Landsvirkjuns Unternehmensleitung gefordert werden, die vorliegenden sachlichen und fachlichen Informationen zu den grossen und dauerhaften Umweltschäden berücksichtigen, die Kraftwerke an der unteren Þjórsá verursachen würden. Es reicht hier nicht, ein kurzfristiges Ziel zu verfolgen.

In den vergangenen 10 bis 15 Jahren waren den Landwirten entlang der Þjórsá die Hände gebunden, was die Verfolgung von Betriebszielen und geplantem Aufbau betrifft, ganz gleich ob es um Landwirtschaft, Zucht, Lebensmittelherstellung oder Tourismus ging, denn die Kraftwerksprojekte und ihre Auswirkungen blieben ungewiss, und weder Staat noch Landsvirkjun lieferten Informationen.
Viele Anwohner haben Interessen zu wahren, weil das Land entlang der unteren Þjórsá wertvoll ist. Diese Parteien verlangen, dass das Land durch die Kraftwerke nicht entwertet wird. Die Wurzeln der Ideen um das Hvammsvirkjun, Holtavikrjun und Urriðafossvirkjun reichen zurück zu Politikern, die glaubten, dass Schwerindustrie eine Gesamtlösung für das Volk in diesem Lande ist.

Wir sollten mit der Natur des Landes respektvoll umgehen und Mässigung in der Nutzung seiner Resourcen walten lassen. Lasst uns auf die kommenden Generationen Rücksicht nehmen und ihnen zugleich ein gutes Beispiel sein.
Jón Árni Vignisson und Erna Gunnarsdóttir, Skálmholt
Guðmunda Tyrfingsdóttir, Lækjartún
Kristjana Ragnarsdóttir und Örn Ingvarsson, Sauðholt
Renate Hannemann und Arnar Jónsson, Herríðarhóll
Sverrir Kristinsson, Gíslholt
Oddur Bjarnason und Hrafnhildur Ágústsdóttir, Stöðulfell
Tryggvi Sveinbjörnsson, Heiða
Bjarni Gunnlaugur Bjarnason, Skeiðháholt
Þórbergur Hrafn Ólafsson, Forsæti 1
Ágúst Valgarð Ólafsson und Kolbrún Berglind Grétarsdóttir, Forsæti 3
Ólafur Sigurjónsson, Forsæti 5
Sturla Þormóðsson, Fljótshólar
Albert Sigurjónsson, Sandbakki
Axel Páll Einarsson und Elísabet Thorsteinsson, Krókur
Sævar Örn Sigurvinsson und Louise Anne Aitken Arabær
Bragi Ásgeirsson und Petra Nicola Deutrid Selpartur
Sigríður Kristjánsdóttir, Grund
Aðalheiður Kr. Alfonsdóttir, Ferjunes 2
Guðfinnur Jakobsson, Skaftholt
Valgerður Auðunsdóttir und Guðjón Vigfússon, Húsatóftir 1
Ástrún S. Davidsson og Aðalsteinn Guðmundsson, Húsatóftir 2
Erlingur Loftsson, Sandlækur 1
Elín Erlingsdóttir, Sandlækur 2
Sigrún Bjarnadóttir, Fossnes
Úlfhéðinn Sigurmundsson, Hagi
Sveinn Sigurjónsson, Galtalækur 2
Svanborg R. Jónsdóttir, Stóri-Núpur
Kristinn Marvinsson, Miðhús
Veiðifélag Kálfár

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